Das Spannende an Open Data…

Screenshot der Website von Thomas Tursics über die Wartezeiten im Moerser Bürgerservice

Seit vorletzter Woche verweist die Startseite der Stadt Moers auf eine neue Internetseite – sie zeigt, wann im Bürgerservice besonders viel los ist, und wann die Wartezeiten am geringsten sind. Erstellt hat diese interaktive Seite Thomas Tursics.

Das bin ich. Ich bin in einem Berliner Softwareunternehmen angestellt und entwickle Programme für die Druckvorstufe. In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit offenen Daten und erstelle mit diesen z.B. die oben erwähnte Webseite sowie Apps für mobile Geräte.

Das Wichtigste sind Daten

Softwareentwicklung ist ein sehr langwieriger Prozess und es kann bei großen Projekten locker über ein Jahr lang dauern, bis man endlich fertig ist. Für schnellere Ergebnisse muss man sich auf eine kleine Aufgabe in einem kleinen Projekt konzentrieren. Und genau das mache ich in meiner Freizeit. Egal ob Web-Apps (interaktive Webseiten) oder Mobile-Apps (für Smartphones und Tablets) – sie drehen sich um ein Thema und erfüllen genau eine Aufgabe. Das Wichtigste und Wertvollste in einer App sind ihre Daten. Eine Fahrplanauskunft braucht unbedingt Fahrplandaten, ein Wetterbericht braucht Daten von einer Wetterstation und eine Grafik über Wartezeiten braucht Daten von der Aufrufanlage des Bürgerservices.

Aber wie komme ich an diese Daten heran? Wenn ich nicht gerade bei einem Verkehrsverbund arbeite oder meine eigene Wetterstation im Garten betreibe, normalerweise gar nicht. In den letzten Jahren hat sich das zum Glück ein wenig geändert. Immer mehr Bundesländer, Städte, Kommunen und ihre angeschlossenen Betriebe öffnen ihre Datenbestände und stellen sie der Allgemeinheit zur freien Verfügung. So kann ich heute in meiner Heimat auf die Fahrplandaten der Verkehrsbetriebe aus Berlin und Brandenburg zugreifen. In Moers bekomme ich die aktuelle Wetterlage und die Aufrufzeiten des Bürgerservice als Open Data.

Offene Daten – Open Data

Bildschirmabdruck von OpenData in reinform.

Diese Daten reizen mich. Ich möchte damit gerne etwas Sinnvolles anstellen; und nicht nur für mich, auch für andere Menschen. Ich fahre täglich mit der U-Bahn, ich setze mich täglich dem Wetter aus, so wie viele andere Menschen auch. Die Wetterdaten sind so klein und kompakt dass man sie recht einfach in eine App einbauen kann. Die Fahrplandaten aus Berlin sind mit 250 MByte dagegen ein schwerer Brocken. Das ist leider zu groß für mich. Wenn ich mal eine Fahrplan-App erstellen möchte, dann würde ich mit Ulm anfangen. Da sind die offenen Fahrplandaten mit wenigen MByte noch überschaubar.

Und warum noch eine Fahrplan-App? Weil das Thema mich interessiert und weil nicht für jeden Verkehrsverbund eine gut zu bedienende App existiert. Und warum noch eine Wetter-App? Die meisten Wetter-Apps benutzen einen weltweiten Wetterdienst aus den USA, der für globale Vorhersagen sehr gut geeignet ist. Aber für eine Stadt oder eine Gemeinde sind die Vorhersagen zu ungenau. Da sind lokale Quellen einfach besser.

Der Vorteil von frei verfügbaren Daten ist, dass man sie beliebig kombinieren kann. Ohne fragen zu müssen. Man kann auch unbequeme Themen angehen. Z.B. ist in den letzten Jahren in Berlin beim ersten Schneefall gefühlt das halbe S-Bahn-Netz zusammengebrochen. Die U-Bahn hatte dagegen kaum mit Einschränkungen zu kämpfen. Kombiniere ich die Live-Verkehrsdaten mit den Wetterdaten kann ich nachverfolgen, ob sich die Situation bei der Berlin S-Bahn dieses Jahr gebessert hat.

Je kleiner die Stadt – desto einfacher die Benutzung

Bildschirmabdruck von OpenData der Wetterdaten in reinform.

Eine Datenschnittstelle für Live-Daten ist ein großer technischer Aufwand auf der Datenbereitstellerseite. Auf jeden Fall bei Verkehrsdaten. Gute Gegenbeispiele sind die Wetterdaten und Wartezeiten aus Moers. Diese Daten wurden bisher für interne Zwecke erhoben bzw. veröffentlicht, aber nicht für eine Weiternutzung freigegeben. Mit relativ einfachen Mitteln wurden diese Daten für jedermann zugänglich und über das Open Data-Portal von Moers verfügbar gemacht.

Dieses Open Data-Portal der Stadt ist technisch nicht zu vergleichen mit den großen Portalen aus Köln, Bonn und Berlin. Es befindet sich kein großes kompliziertes Datenbanksystem im Hintergrund sondern es wird das vorhandene Content-Management-System der Stadtwebseite genutzt. Das „Portal“ besteht im Grunde nur aus normalen Seiten mit den verlinkten Datensätzen. Die Datensätze enthalten sehr oft Daten, die auch auf der Webseite selbst publiziert und genutzt werden. So gibt es Listen von Spielplätzen, Schulen, Sehenswürdigkeiten, Hotels und Unterkünften und andere Bürger- und Tourismusnahe Themen.

Je kleiner eine Stadt oder Kommune ist, desto kleiner sind die Datenbestände – desto einfacher ist aber auch deren Benutzung. Besonders wenn man erstmals mit offenen Daten eine Anwendung schreibt, ist das sehr hilfreich. Wenn zwei (idealerweise auch mehr) Kommunen in der Nähe ähnliche Datensätze veröffentlichen, entstehen einfache Reichweitenerweiterungen für die Nutzung. Stehen für genügend Kommunen im Umkreis Daten zu Verfügung, ergeben sich interessante weitere Anwendungsmöglichkeiten. Anfang des Jahres habe ich für Oberösterreich ein entsprechendes Konzept entwickelt.

Die Daten machen den Reiz aus

App-Bild der Benamsen App

Die Daten dürfen ruhig unorthodox benutzt werden. Das macht gerade auch den Reiz aus. Ich habe absichtlich „unauffällige“ Daten genommen: Vornamen von neugeborenen Kindern. Mit diesen Daten wollte ich etwas entwickeln, was Spaß macht – mir beim App erstellen und auch den Leuten beim App benutzen. Herausgekommen ist „Baby benamsen“ (schon der Name ist nicht bierernst), eine App, bei der man das Smartphone schütteln muss, um den nächsten Vorschlag für einen Namen seines Nachwuchses zu bekommen. Die Entwicklung hat, wenn ich mich recht entsinne, den kompletten Februar letzten Jahres gedauert, wobei ich nur in den Abendstunden unregelmäßig daran gearbeitet habe. Entstanden ist eine Hybrid-App. Das heißt, ich habe eine HTML-Webseite entwickelt und diese in eine App für die verschiedenen mobilen Betriebssysteme umgewandelt.

Bei den Wartezeiten ist eine echte Web-App entstanden. Hier benutze ich die gleichen Techniken wie bei den Vornamen. Allerdings habe ich diesmal keine Apps entwickelt sondern eine normale Webseite. Das Grundgerüst der Webseite habe ich an ein paar Abenden erstellt bis es halbwegs lief. Die meiste Zeit danach ging in das Layout und das Aussehen der Seite. Und eine besondere Herausforderung war, dass ich Live-Daten verwende. Die Fehlersuche gestaltete sich dadurch sehr schwierig, weil die Fehler zufällig auftraten oder z.B. nur einmal pro Woche.

Open Data-begeisterte Entwickler

Insgesamt hat sich die Entwicklung der Wartezeiten über mehrere Monate hingezogen. Ich habe an der Webseite fast ausschließlich Mittwochabends gearbeitet. An diesem Abend gibt es in Berlin ein Treffen von Open Data-begeisterten Entwicklern: OK Lab Berlin . Auch wenn ich an dem Projekt alleine gearbeitet habe, konnte ich hier erste Eindrücke von anderen Entwicklern (und Designern) einholen. Für Tipps, Tricks und gegenseitige Unterstützungen sind solche Treffen Gold wert.

Logo Code for Germany

Zusammenfassend kann ich die Freigabe von weiteren Datensätzen nur empfehlen. Und natürlich auch die Nutzung der Daten! Die beste Motivation bekommt man dabei in einer Gruppe: Also geht zu den „OK Labs“ oder bildet eure eigenen Treffen und Communities.

3 Kommentare und 2 Trackbacks/Pingbacks

  1. Anton Heinrichs schreibt am 30. April 2015 um 14:54

    Die öffentliche Bereitstellung von Daten ist eine tolle Sache. So etwas wie hier wird in der Zukunft noch eine zunehmende Bedeutung haben. Deshalb finde ich es toll, dass die Stadt Moers innovativ vorangeht. Danke an Herrn Tursics für die Umsetzung.

  2. ミュゼプラチナム店舗予約 schreibt am 8. Juni 2017 um 10:15

    naturally like your web site however you have to take a look at the spelling on quite a few of your
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    Very descriptive blog, I enjoyed that bit. Will there be a part 2?

  4. poker group hands schreibt am 11. Juli 2017 um 01:53

    poker group hands

    Moers — Das Spannende an Open Data… – Bürgerblog

  5. togel joker merah schreibt am 11. Juli 2017 um 03:20

    togel joker merah

    Moers — Das Spannende an Open Data… – Bürgerblog

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