Open Data – Was, warum, wieso und wie?

Hallo,

mein Name ist Elmar Burke. Ich darf hier schreiben, da ich gerade mein zwanzigwöchiges Praxissemester bei der Stadt Moers absolviere. Es gehört zu meinem Studiengang E-Government (neudeutsch in etwa so was wie Verwaltungsinformatik) an der noch frischen Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort. Gerade hat das sechste und vorletzte Semester begonnen und in etwa einem Jahr darf ich mich hoffentlich Bachelor of Science nennen. Doch das ist (gedanklich) noch weit weg.

Im letzten Herbst gab es bei uns im Studiengang einen Kurs New Public Management mit einem ausgeprägten Praxisteil. Mit dabei: Das Projekt Open Data als eines von drei Projekten bei der Stadt Moers. Ziemlich schnell war mir klar: Das ist ein spannendes Thema! Wie es der Zufall so will, wurde ich für das Projekt ausgelost. Zugegeben, es war ein Spiel mit gezinkten Karten.

Apropos Karten. Da liegt meine Keimzelle für Open Data. Seit Anfang 2009 bin ich im Projekt OpenStreetMap aktiv und sammele Geodaten mit dem GPS-Gerät oder zeichne sie von Satellitenbildern ab. Weltweit ist daraus eine beachtliche Geodatenbank geworden, die unter einer freien Lizenz zur Verfügung steht.

Zurück zum Thema: Open Data.

Open Data, noch so ein doller Anglizismus. Auf deutsch heißt es “offene Daten”. Gemeint sind aber freie Daten. Und da ist das nächste Problem. Frei heißt hier nicht frei wie in Freibier, sondern frei wie in Redefreiheit. Mehr zum Unterschied zwischen Freibier und Redefreiheit gibt es in englischer Sprache im Blog How-To Geek.

Also freie Daten, wobei das frei wie frei in Redefreiheit steht. Doch wann ist frei wirklich frei? Dafür gibt es Lizenzen. Es gibt Lizenzen, die frei sind, also die freie und kostenlose Nutzung und Weiterverbreitung von Daten erlauben, und es gibt Lizenzen, die nicht frei sind. Das heißt, dass die Daten nicht für eigene Statistiken, Anwendungen oder anderen Sachen genutzt werden dürfen. Hier in Moers wird für die Daten überwiegend die Lizenz Datenlizenz Deutschland – Namensnennung genutzt. Das heißt, jeder darf die Daten für alles nutzen, solange dran steht, woher die Daten stammen. Bei der OpenStreetMap heißt die Lizenz Open Database License und bei der Nutzung der Daten muss man ebenso die Datenquelle dran schreiben.

Frei frei frei sind alle meine Kleider. Cui bono?

Wessen Vorteil ist es nun, wenn Daten frei zur Verfügung stehen? Um eine lange Geschichte nicht viel länger zu machen:

  • Politik und Verwaltung werden transparenter
  • Es entstehen neue Anwendungen, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle
  • Damit fördert man den Technologie- und Bildungsstandort

Open Data sind Daten in Rohform. Dateien sind zwar maschinenlesbar, aber menschenlesbar sind sie nur bedingt. Daher stellt sich die Frage:

Was lässt sich mit Open Data anstellen?

Entwickler, Datenanalysten und Statistiker sind in der Lage die Daten zu visualisieren. Daraus haben sich schon heute viele interessante Anwendungen ergeben. Eine grafische Darstellung des Bundeshaushaltes, eine alternative Darstellung des Ratsinformationssystemes der Stadt Köln auf Offenes Köln oder die Visualisierung der Deutschen Bahn im Fernverkehr im Zugmonitor der Süddeutschen sind die prominentesten Beispiele.

Sehenswertes Moers

Seit Mitte Februar diesen Jahres bietet die Stadt Moers auch Open Data im Portal offenedaten.moers.de an. Mit dabei sind Daten aus dem Bereich Freizeit und Tourismus. Diese Daten habe ich mir zu Herzen genommen und eine Beispielanwendung erstellt.

Die Webseite moers.elmarburke.eu zeigt Sehenswürdigkeiten in Moers und wie man sie mit Bus oder Auto erreichen kann. Dazu wurde Offene Daten Moers angezapft und die Sehenswürdigkeiten in einer Datenbank gespeichert. Die Bushaltestellen und Parkplätze stammen aus dem Projekt OpenStreetMap. Diese werden direkt über eine Programmierschnittstelle, API genannt, bei der OpenStreetMap abgefragt. Ein wenig technischer: es wird die Overpass API genutzt. Beide Daten können über die Geodaten verbunden werden. Diese Mischmenge nennt man Linked Open Data. Das tolle Wort heißt nichts anderes, als dass offene Daten miteinander verbunden (engl. linked) sind.

Die Anwendung besteht aus zwei Teilen:

Zum einen bereitet ein Server die Daten von offenedaten.moers.de und aus der OpenStreetMap auf, speichert sie in einer Datenbank und liefert auf Anfrage alle Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte, Bushaltestellen und Parkplätze. Diese Daten sind zwar schon aggregiert, doch eine Internetseite ist das noch nicht. Diese Daten dienen nur als Datengrundlage für das Erstellen einer Internetseite.

Zum anderen besteht die Anwendung aus der eigentlichen Internetseite. Hier werden die aggregierten Daten für die Anzeige auf der Internetseite zusammengefügt und die eigentliche Internetseite wird im Browser angezeigt.

Mehr zur eingesetzten Software steht auf der Internetseite zu Sehenswertes Moers.

Ausblick

Diese Anwendung ist natürlich nur ein erster Schritt. Die Daten lassen sich durch weitere Quellen erweitern und anschließend auf der Internetseite ausgeben. Das können Verkehrsdaten im Nahverkehr (Abfahrtszeiten der Busse, evtl. sogar in Echtzeit) oder Daten aus Parkleitsystemen sein (wie voll ist ein Parkplatz).

3 Kommentare

  1. Dirk Schoemakers schreibt am 5. April 2013 um 11:05

    Gute Einführung in das Thema OpenData und nette Beispielanwendung, Elmar. Gibt es eine Übersicht welche Kommunen ebenfalls OpenData bereitstellen?

  2. Elmar Burke schreibt am 5. April 2013 um 11:14

    Hallo Dirk,
    eine „amtliche“ Übersicht gibt es da leider nicht, Doch im Portal [GovData](https://www.govdata.de), herausgegeben vom Bundesministerium des Innern, hat eine ziemlich vollständige Liste.
    Gruß, Elmar

  3. Florian Apel-Soetebeer schreibt am 5. April 2013 um 14:45

    Klasse Bericht und eine gute Einführung ins Thema!

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