Sind Namen Schall und Rauch?

Ausschnitt aus der Facebook-Seite der Stadt Moers

Nun ist es also so weit: Die Facebook-Seite der Stadt Moers läuft nicht mehr unter dem Namen „Stadt Moers“, sondern unter „Stadtverwaltung Moers“. Was soll das? Das haben wir uns auch gefragt! Aber der Reihe nach.

Anfang des Jahres sorgte der „Fall München“ für große Aufmerksamkeit: Facebook hatte der Stadt München ohne Vorankündigung die Seite facebook.com/muenchen entzogen, und damit waren auch gleich rund 400.000 Fans, die Beiträge, Kommentare – einfach alles – weg. Auf Nachfrage gab dann Facebook den Hinweis auf geänderte Richtlinien. Diese besagen, dass man nicht mehr Namen von Orten verwenden darf. O.k., so blöd das auch für München war (nach einer Umbenennung hat Facebook die Fans immerhin auf die neue Seite übertragen), die Stadt Moers konnte das Problem ja nicht berühren. Schließlich nennen wir uns ja nicht nach dem Ort (Moers), wie er auf jeder Landkarte zu finden ist. Wir nutzen den Namen der Körperschaft öffentlichen Rechts (Stadt Moers), so wie er auch auf Briefen, Siegeln, Urkunden und vielem mehr verwendet wird.

Aber Facebook sieht die Sache anders. Zitieren wir einmal aus der Begründung: „Gemäß unserer Richtlinien sind generische Seitennamen für Orte (d.h. reine geografische Ortsbezeichungen von Städten, Regionen etc.) unzulässig. Hintergrund hierfür ist unter anderem, dass generische Orte sich nur unzureichend als Seitennamen eignen, da dem Nutzer nicht unmittelbar klar wird, wer genau sich hinter den entsprechenden Seiten als Administrator verbirgt.

Nur ein Nutzer, der genau weiß, mit welchem Seitenbetreiber er es zu tun hat, wird sich in einen engagierten Dialog mit dem Seitenbetreiber begeben. Es ist dieses Engagement, welches sowohl für den Nutzer als auch den Seitenbetreiber am Ende die positive Erfahrung und ein positives Ergebnis der Nutzung von Facebook ausmacht. Es ist somit in Ihrem Interesse als Seitenbetreiber, wenn Sie durch einen unmissverständlichen Seitennamen, genau die Nutzer gewinnen, die sich für Ihre Institution interessieren und mit Ihnen in einen engagierten Dialog treten wollen.“

Nun ist es schön, dass Facebook sich so viele Gedanken darüber macht, wer sich hinter welchem Namen verbirgt und wie man den Dialog mit seinen Fans fördern kann. Mir fällt dazu nur ein: Aus unserer Sicht war die erzwungene Änderung des Seitennamens so überflüssig wie ein Kropf. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich einer unserer Fans nicht darüber im Klaren war, dass er unter facebook.com/stadtmoers mit der Stadtverwaltung verbunden ist (der Volksmund sagt doch so schön: „Der arbeitet bei der Stadt Moers“).
Und wenn ich sehe, wie intensiv und häufig unsere Fans mit uns über die Facebook-Seite in den Dialog treten, kommentieren, bewerten, meckern und loben, glaube ich kaum, dass dies unter der Etikett „Stadtverwaltung Moers“ besser werden kann.

Fazit: So sehr ich in den letzten Monaten vielerorts und aus guten Gründen für den Einsatz von Facebook in Kommunen eingetreten bin, diese Aktion hätte Facebook sich wirklich schenken können! Sagt einer, der bei der „Stadt Moers“ arbeitet…

7 Kommentare

  1. Ernst Mayer schreibt am 20. August 2012 um 16:28

    Ich bin ja mal gespannt, wann die dazu passenden Vanity-URLs den Facebook-Richtlinien geopfert werden müssen. Demnächst also:
    facebook.com/stadtverwaltungmoers ?

  2. Anita schreibt am 21. August 2012 um 07:44

    Facebook? Braucht kein Mensch….

    Nein, ganz ehrlich: Muss es wirklich unbedingt Facebook sein? Es gibt ja noch andere soziale Netzwerke, ich denke da an google. Natürlich fällt mir als Privatperson die „Facebook-Verweigerung“ einfacherer. Ich muss nicht mit der Masse gehen. Aber an Ihrer Stelle würde ich zumindest mal auf die Facebook-Konkurrenz schielen und für die Zukunft im Auge behalten. Im Internet kann man sehr schnell wechseln (und sollte es auch tun), wenn es ein besseres Angebot gibt.

  3. Claus Arndt schreibt am 21. August 2012 um 09:36

    Hallo Anita,

    na klar, wir schielen in alle Richtungen und beobachten sehr genau, was in der Social Media -Welt los ist. Die Abhängigkeit von einem Anbieter, auf dessen Gebaren man keinen Einfluss hat, ist sowieso problematisch. Auf Google+ sind wir ja eigentlich auch vertreten, allerdings ist unsere Seite dort vor einigen Wochen aus unerklärlichen Gründen einfach verschwunden (vielleicht hat einer unserer Admins auch irgenwie aus Versehen auf den „Entfernen“ – Button geklickt ;-). Von Google gab’s bisher keine Reaktion auf unsere Anfragen – also werden wir wohl oder über in den nächsten Tagen dort neu anfangen müssen…

    Beste Grüße
    Claus Arndt

  4. Jasmin Wagner, Stadt Straelen schreibt am 23. August 2012 um 08:56

    Hallo Claus,
    danke für Deinen interessanten Blogeintrag.
    Wir stehen leider vor dem Problem: Wie ändere ich in FB meinen Seitennamen???!! Facebook bietet keine Möglichkeit, da wir mehr als 200 Fan`s haben. Auch im Internet sind keine Lösungen zu finden. Kannst Du hier bitte kurz posten, wie ihr den Namen geändert habt?!
    Viele Grüße aus Straelen
    Jasmin Wagner

  5. Claus Arndt schreibt am 23. August 2012 um 09:11

    Hallo Jasmin,

    der Städte- und Gemeindebund hatte folgende Info herausgegeben: „Die jeweiligen Seitenadministratoren sind angehalten, an Hand der oben dargelegten Kriterien einen für sie passenden Seitennamen zu wählen. Dieser sollte sodann an Facebook mitgeteilt werden. Diese Änderungswünsche richten Sie bitte an tinakulow@fb.com. Die Umstellung der Namen erfolgt dann durch Facebook selber.“

    So habe ich es gemacht. Fans und Inhalten bleiben genauso erhalten wie die URL der Fanpage. Nur der Anzeigename wird geändert.

    Beste Grüße
    Claus

  6. Jasmin Wagner, Stadt Straelen schreibt am 23. August 2012 um 09:56

    Supi, DANKE!

  7. Bürger schreibt am 24. November 2012 um 23:32

    Haben Sie eigentlich sonst nix zu tun und sonsts keine Sorgen bei der Stadt als sich um die eigene Achse und um unsoziale Netzwerke zu drehen? Das bestätigt das alt-neue Vorurteil. Und ergibt weitere Einsparmöglichkeiten bei der ach so knappen Personaldecke. Bitte kümmern Sie sich doch mal um originäre Aufgaben, statt sich an den Zehen zu spielen. Moers is Moers. Facebook is somewhere.

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