Auf starken Schultern

'Das Geleucht' von Otto Piene - Kunstwerk auf der Halde Rheinpreußen
Das Geleucht – Otto Pienes
Kunstwerk als Symbol für den
Bergbau in der Region

Die Knappschaft feiert dieses Jahr ein beachtliches Jubiläum: Sie kann mittlerweile auf 750 Jahre Geschichte zurückblicken. Das können nicht viele Unternehmen und Institutionen. Die Stadt Moers zum Beispiel erhielt erst im Jahr 1300 die Stadtrechte, also fast ein halbes Jahrhundert später. Im Jahre 1260 hatte Gutenberg den Buchdruck noch nicht erfunden, Kolumbus hatte Amerika noch nicht entdeckt und den ältesten Turm des Moerser Schlosses konnte man noch fast als Neubau bezeichnen. Zu dieser Zeit hatten ein paar Bergleute aus Goslar bereits die fortschrittliche Idee, eine Bruderschaft zu gründen, welche die Kumpel und ihre Familien sozial absichern sollte.

Harte Arbeit, schlechte Luft, Einsturzgefahr und kaum Sicherheitsvorkehrungen – im Berg oder unter Tage zu arbeiten, war vor allem damals ein gefährlicher und risikoreicher Beruf. Das schweißte zusammen. Als langjähriger Mitarbeiter des Bergwerks West kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass bei den Bergleuten schon immer ein besonders starkes Gemeinschaftsgefühl bestand. Unter Tage arbeitete man schließlich Hand in Hand.

Die ersten Knappschaften sammelten regelmäßig den sogenannten Büchsenpfennig ein. Im Falle eines Arbeitsunfalls kümmerte sich die Knappschaft dann um die Hinterbliebenen oder sorgte für die Familie eines arbeitsunfähigen Kumpels. Die Gemeinschaft trug das Risiko. Schließlich konnte es Jeden treffen. Dasselbe Konzept ist heute, viele Jahrhunderte später, als Sozialstaatsprinzip in unserer Verfassung eingetragen. Die Knappschaft ist – soweit bekannt – die älteste Renten-, Unfall- und Sozialversicherung der Welt und damit quasi der Erfinder der Krankenkassen. Die Geburtsstunde der Knappschaft ist auch gleichzeitig die Geburtsstunde unseres modernen Sozialsystems.

Mit der industriellen Revolution entstanden auch im Ruhrgebiet und am Niederrhein eigenverantwortliche Knappschaftsverbände. Die heutige Bezirksgeschäftsstelle in Moers wurde gegründet, als sich 1969 die einzelnen Knappschaften zur Bundesknappschaft zusammenschlossen. Als ehemalige Bergbaustadt ist die Knappschaft somit auch ein wichtiger Bestandteil unserer Historie. Ungefähr ein Viertel der Moerser sind heute bei der Knappschaft versichert.

Ich freue mich schon darauf, mir diese eindrucksvolle Geschichte in der Ausstellung  „Auf starken Schultern“ anzusehen, welche die Knappschaft zu ihrem Jubiläum ausrichtet. Am Dienstag, 5. April, findet die Eröffnung statt. Danach können sich alle Interessierten die Entstehung und Entwicklung der Knappschaft in Worten und Bildern montags bis freitags im Foyer der Bezirksgeschäftsstelle Moers in der Bankstraße anschauen. Apropos Straße: Anlässlich des 750. Jubiläums plant die Stadt Moers, die Straße „Am Friedrich-Ebert-Platz“ demnächst in Knappschaftsstraße umzubenennen. Damit würde die Knappschaft dann endgültig ein fester Bestandteil der Moerser Stadtgeschichte.

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