Gründe?

In den letzten Tagen ist mir aufgefallen, dass einige wichtige Gründe für unsere Finanzkrise weitgehend unbekannt sind. Wahr ist natürlich, dass die Kommunen allgemein an einer Unterfinanzierung leiden. Wahr ist auch, dass Bund und Land gekonnt ihre Aufgaben und damit ein Großteil der Kosten auf die Städte abwälzen. Wahr ist auch, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise nun voll durchgeschlagen hat.

Allerdings sind das nur Teile des „großen Ganzen“. Ich muss jetzt ein wenig in die Vergangenheit gehen. Vor zehn Jahren als Kreistagsmitglied habe ich für die Einrichtung der Kreisleitstelle bei der Stadt Wesel gestimmt. Dort werden die Einsätze für das Feuer- und Rettungswesen sowie große Schadensereignisse koordiniert. Damals hat die Kreisverwaltung die Einsparmöglichkeiten und Synergie-Effekte äußerst positiv dargestellt. Ich war mit meinem Votum überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Eigentlich konnte man bei den Argumenten gar nicht anders entscheiden.

Heute bereue ich ehrlich gesagt die Entscheidung. Die versprochenen Effekte sind nicht eingetreten, und möglicherweise kommen für eine neue Leitstelle weitere Kosten in Millionenhöhe hinzu. Eine Investition würde mittelfristig durch die Kreisumlage wieder unsere Stadt belasten. Dieses Entgelt wird von allen Kommunen jährlich gezahlt. Bereits jetzt kommt jeder vierte Euro der Umlage aus Moers. Wir würden also wieder kräftig mitbezahlen. Hier brauchen wir ein neues Konzept, damit dies nicht passiert. Und ich möchte noch weiter gehen: Die grundsätzlich Finanzierung des Kreises gehört auf die politische Tagesordnung!

Ein weiterer Grund ist der stetige Ausbau der kulturellen und sozialen Infrastruktur. Seit 1975 leisten wir uns eine Vielzahl von kulturellen und freiwilligen Einrichtungen, die die Ausgabenseite der Stadt beanspruchen. In den vergangen Jahrzehnten, also in den „fetten Jahren“, hat die Stadt viele Investitionen getätigt und Einrichtungen ausgebaut. Es ist nur klar, dass sich die Bürgerinnen und Bürger an die Leistungen gewöhnt haben. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass wir auch hier sparen müssen. Ich sage es noch einmal ganz konkret: Ich möchte nicht das Schlosstheater oder das moers festival beerdigen. Aber auch dort muss ein Beitrag zur Haushaltskonsolidierung geleistet werden.

3 Kommentare

  1. Kultursensor schreibt am 19. Februar 2010 um 20:09

    Hallo,

    ein netter Ansatz, auch einmal einen eigenen Fehler zuzugeben. Mir geht es jedoch um den letzten Satz.

    Zu Recht wird oft die überregionale Bedeutung des Moers Festival betont. Sparvorschläge gab es hier und in der Lokalpresse schon einige. Allerdings steht wirklich in Frage, ob eine Reduzierung der Festivaltage angesichts der Fixkosten (Zelt, Infrastruktur auf dem Gelände, Schadensbeseitigung) und Einnahmeausfälle (Händlermarkt) finanziell etwas bringen würde.

    Das Festival alle zwei Jahre auszurichten (wie z.B. in Münster auch) wäre da schon effektiver und wahrscheinlich auch kein Beinbruch (aber schade!).

    Die Frage, die auf jeden Fall beantwortet werden müsste, lautet: Was soll mit der Fortsetzung des Festivals eigentlich bewahrt werden? Ist es die Stimmung der 70er Jahre, die ja immer noch über dem Freizeitpark schwebt (allerdings als 70er 2.0), wenn all die kuriosen Camper anreisen und Energiebällchen serviert werden?

    Oder soll ein musikalisches Schwergewicht und damit eine weltweite Reputation in Fachkreisen gerettet werden?

    Ist das eine ohne das andere denkbar?

    Wenn es nur um die Musik geht, um die ganz besondere künstlerische Moerser Linie, dann kann auch über eine Standortverlagerung nachdenken. Es wäre nicht das einizige Festival, das z.B. in einer Großturnhalle (die neue in Rheinkamp? Adolfinum?) stattfinden würde. Das würde in erheblichem Maße die Kosten reduzieren, zumal die Camping-Großveranstaltung so ziemlich gar nichts mit dem eigentlichen Festival zu tun hat. Vielleicht könnte man standortnah sogar das Zelten für die „echten“ Fans weiter ermöglichen.

    Es ist nur so eine Idee (ich bin bestimmt auch nicht der erste, der sie hat).

    Ich lese mir auch gerne Gegenargumente durch…

  2. Peter schreibt am 20. Februar 2010 um 22:11

    Stimme dem ersten Kommentar zu. Wahrscheinlich wäre es das beste, dass Festival nur noch alle zwei Jahre zu veranstalten. Allerdings glaube ich auch, dass das Festival in den letzen drei Jahren Speck angesetzt hat. Hier lassen sich – meines Erachtens – im Vergleich zu früher – noch Kosten einsparen.

    Wer erinnert sich noch an das letzte Festival von dem vorherigen künstlerischen Leiter zum Vergleich.
    Wer erinnert sich noch an die Hare Krishna Jünger, welche bis in der jüngeren Vergangenheit immer Gast des Festivals waren.

    Wäre es nicht interessant, dass Festival wieder neu auszurichten? Der Weltmusikanteil ist sehr deutlich zurückgegangen. Und gerade diese Musik hat früher den Reiz des Festivals ausgemacht.
    „Back to the roots“ ist derzeit ein allgemein zu beobachtender Trend. Warum nicht auch für das Moers Festival?

  3. Kulturfreund schreibt am 21. Februar 2010 um 17:12

    Ich bin beeindruckt, wie viele Menschen dem Aufruf des Schlosstheaters gefolgt sind – die Theaterhalle war zur Podiumsdiskussion über die Zukunft (nicht nur) des Schlosstheaters brechend voll.

    Natürlich waren es (fast) allesamt Menschen, denen man die Bedeutung des Theater und der Kultur für eine Stadt nicht erst vermitteln musste. Aber es wurden Dinge gesagt, die alle in den bevorstehenden Diskussionen bedenken sollten.

    1. Kultur, Sport und Sozialses sollen sich nicht auseinanderdividieren lassen. Einigkeit ist gefragt.

    2. Kultur und Bildung haben jeweils ein eigenes Profil, müssen aber auch zusammengedacht werden. Auch das Schlosstheater fördert z.B. durch Schulprojekte Bildung!

    3. Kultureinrichtungen machen eine Stadt lebenswert. Ohne Kultur verliert eine Stadt ihren Charakter und wird (Zitat) „zur Wohn- und Schlafstadt“ für Duisburg und Co.

    4. Ausgaben für Kultur sind nicht freiwillig, sondern sind dem Bereich der Daseinsfürsorge zuzurechnen!

    5. Wir haben kein Geld für Kultur. Aber auch nicht für Schwimmbäder, soziale Projekte und viele andere Dinge. Macht es in dieser Situation Sinn, einen Kahlschlag in der Kultur zu betreiben, der nie wieder rückgängig gemacht werden kann?

    6. Da die Haushaltslage nicht alleinverschuldet so schlecht ist, ist es nicht Zeit, im Sinne eines kommunalen Ungehorsams auf weitreichende Streichungen zu verzichten und den Kampf für eine bessere Finanzausstattung der Städte und Gemeinden aufzunehmen?

    7. Denn: Hier – und nicht im Land oder Bund – leben die Bürgerinnen und Bürger. Hier findet das Leben statt!

    Viele Dinge ließen sich noch ergänzen und werden sicher in der weiteren Diskussion wirken. Es bleibt zu hoffen.

Einen Kommentar schreiben

Schön wäre es, wenn Sie Ihre Beiträge so gestalten, dass auch die Interessen behinderter Menschen berücksichtigt werden. Wie dies geht, sagen wir Ihnen auf unserer Seite "Ihr Beitrag zur Barrierefreiheit".

Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

Kommentarformular


Teilen Sie uns bei:

.