Zwei Seiten der Medaille

In den letzten Tagen gab es wieder einige interessante Themen, die in den Medien und in der Öffentlichkeit rege diskutiert wurden: die letzte Ratssitzung in dieser Legislaturperiode und die kommende politische Kooperation. Ein Thema hat mich aber besonders beschäftigt: die Schließung von 12 Filialen der Sparkasse am Niederrhein.

Grundsätzlich muss ich festhalten, dass durch jede Schließung ein Stück Grundversorgung im Stadtteil weg bricht. Das kann und darf mir als Bürgermeister nicht gefallen. Eine Filiale eines öffentlich-rechtlichen Geldinstituts zählt für mich genauso viel wie der Bäcker oder Metzger im Stadtteil. Als beratendes Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse habe ich deshalb um Prüfung gebeten, ob als Ersatz zusätzliche Automaten aufgestellt werden können. So würde man älteren Menschen Wege ersparen.

Besonders bedenklich finde ich allerdings die Schließung der Filiale in der Mattheck. Hier haben wir in den letzten Jahren durch das vom Städtebauministerium geförderte Projekt „Soziale Stadt“ viel Geld, Zeit und Arbeit hereingesteckt. So konnte das Viertel wesentlich attraktiver und bunter werden. Durch die Schließung der Filiale werden diese Bemühungen konterkariert. Mein Vorschlag lautet, einen Geldautomaten im Stadtteilbüro oder in der Nähe einzurichten. Das sichert natürlich nicht jede Serviceleistung, aber bringt möglicherweise Entlastung für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Auf der anderen Seite ist der Entschluss des Vorstandes richtig gewesen – aus betriebswirtschaftlichen und sozialen Gründen. Die Sparkasse am Niederrhein ist mit zurzeit 580 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein nicht gerade kleiner Arbeitgeber in der Region. In Verantwortung dafür muss sich die Sparkasse Handlungsfreiheit bewahren und sich zukunftssicher aufstellen. Ein weiterer, nicht unwichtiger Aspekt ist die Rolle der Sparkasse am Niederrhein als Förderer von ehrenamtlicher Arbeit, der Kultur und des Sports. Auch hier wird das Geldinstitut künftig weiter gebraucht.

4 Kommentare

  1. Claus Peter Küster schreibt am 2. Oktober 2009 um 12:40

    Es muss ja nicht immer gleich ein ( kostenintensiver!?) Geldautomat sein. Wie andere Sparkassen es schon anbieten oder wie es auch in weiteren europäischen Ländern praktiziert wird, sollte die Sparkasse mit dem Handel zusammenarbeiten und es ermöglichen, beim Einkauf gleich Geld mitnehmen zu können.

    Doch die Sparkasse muss sich wohl sputen, denn andere Geldinstitute setzen diese Idee auch schon um…

  2. Stephan Furchert schreibt am 3. Oktober 2009 um 00:59

    Also das Aufstellen von Geldautomaten kann niemals Ersatz für eine Filiale der Spakasse sein, egal wie kostenintensiv diese sind. Auch wenn die Sparkassen mit dem Handel zusammenarbeiten würden, wäre ein zentrales Problem nicht gelöst.

    Also Volksnah ist das nicht!!!

    Was sollen denn die älteren Mitbürger machen, die nicht wissen wie man Geld am Automaten abhebt, die dies nich nie gemacht haben, die dies auch nicht machen wollen, weil es ihnen zu unsicher ist? Ein großer Anteil unserer Mitmenschen gehört zu den Menschen, die, seitdem sie mit der Bank zu tun haben, das Geld nur am Bankschalter abheben. Was sollen diese nun machen, wenn diese nicht wissen, wie man einen Geldautomaten benutzt, wenn diese einen Geldautomaten nicht nutzen wollen, weil sie die Vorteile der Geldabhebung ab Schalter nutzen wollen und aufgrund des höheren Alters nicht im Stande sind eine „Reise“ durch die Stadt zur nächsten Filiale zu machen?

    Diese werden klar allein und im Stich gelassen!

    Volksnah ist anders, aber hier werde ich vollkommen bestätigt, was ich im Blogthema – Wer macht „Meinung“? – schon erlätert habe. Dies ist jetzt keine Kritik nur an Herrn Ballhaus, sondern auch an Herrn Küster, welcher zufällig auch hier zu diesem Thema sich verewigt hat. Aus dem oben genannten Blogthema ist mir klar, dass Herr Ballhaus nicht wirklich weiß, wie man als Bürgermeister mit dem Thema Meinung umzugehen hat, was sich bei diesem Thema wieder aufdrängt. Herrn Küster kann man dies hier nur bedingt vorwerfen. Es gibt aber beim Herrn Küster auch andere Beispiele die man hier anbringen kann. Herr Küster stellte zum Beispiel Januar 2008 den Antrag zur Umstrukturierung der Abwassergebühr, welche 2010 dann eingeführt wird, gestellt und bezog sich auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts, welches erst Mai 2008 in Kraft getreten ist. Moers hat also fast ein halbes Jahr beraten und gearbeitet, obwohl das Urteil auf das sich alle bezogen hatten, niemals hätte in Kraft treten können. Herr Küster hat also Anträge gestellt und mit der Rechtswidrigkeit der damaligen Abwassergebühr argumentiert, obwohl diese rechtens war.

    Da drängt sich natürlich einem die Frage auf: Herr Ballhaus, Herr Küster, wissen wie eigentlich, wie Ihre Arbeit eigentlich funktioniert? Ist diese Arbeit wirklich das richtige für Sie? Wissen Sie, was Sie da tun? Es kann nicht sein, dass solche schwerwiegenden Fehler geschehen und immer wieder unter Beweis gestellt wird, dass Sie Ihre Arbeit nach einer so langen Zeit immer noch nicht wirklich begriffen haben.

    Und um zum eigentlichen Thema wieder zurück zu kommen. Man merkt, dass man hier eher daran Interesse daran hat weitere Geldautomaten aufzustellen oder dass Sparkassen mit dem Handel zusammenarbeiten, anstatt an einen großen Teil unserer Mitmenschen zu denken und welche schwierigkeiten diese haben. Anscheinend steht mehr der Profit im Vordergund, als die Probleme der Bevölkerung, welche durch die Schließungen von Sparkassenfilialen entsteht.

    Es kann und darf nicht sein, dass Mitbürger vom Rand des Polit-Tellers fallen. Volknah, sozial und demokratisch ist dies nicht.

  3. Claus Peter Küster schreibt am 4. Oktober 2009 um 13:00

    Sehr geehrter Her Furchert!

    Ja, ich stimme Ihnen zu, dass eine persönliche Beratung tausendmal besser ist, als tausend Automaten. Deshalb versuche ich persönlich auch so oft wie möglich Kontoangelegenheiten u.a. für FBG und Verein in der Geschäftsstelle zu erledigen.
    Dort werde ich dann schon mal freundlich darauf hingewiesen, dass ich das auch online abwickeln könnte. Meine Antwort warum ich dies nicht tue ist dann jedesmal: „Um Ihren Arbeitsplatz und die Filiale möglichst lange zu erhalten.“

    Wir könnten natürlich unendlich lange eine Protestnote nach der anderen an die Verantwortlichen senden um die Filialen wieder zu öffnen. Jedoch würde dies, nach den bereits erfolgten Schließungen in Holderberg und in Eick, überhaupt nichts nützen.
    Wahrscheinlich ist dies auch eher „nur“ die Spitze eines Eisberges.

    Was bleibt? Nicht den Schuldigen suchen, sondern Lösungen finden!
    Eine machbare und bereits vielfach praktizierte Lösung haben wir vorgeschlagen: Geld abheben beim Einkaufen.
    Hier dann aber von Ihrer Seite ältere Menschen als „nicht im Stande…“ zu diskriminieren, war bestimmt nicht in Ihrer Absicht!?

    Weiterhin behaupten Sie fragend, ob ich denn überhaupt wüsste wie meine Arbeit funktioniert, um direkt hinterher zu behaupten, dass ich diese nicht begreife.

    Hier entgegne ich, dass ich das Verständnis, die Grundlage und die Motivation meiner/unserer Aufgabe in der Gemeindeordnung NRW wieder finde:

    „Gemeindeordnung NRW, 5. Teil: Der Rat
    § 40 – Träger der Gemeindeverwaltung
    (1) Die Verwaltung der Gemeinde wird ausschließlich durch den Willen der Bürgerschaft
    bestimmt.“

    Und genau ab hier gibt es dann unterschiedliche Auffassungen wie dies umzusetzen ist.
    Deshalb halten wir uns nicht sehr lange nur mit Protest und Klage auf, sondern wir versuchen zukunftsorientiert direkt mit pragmatischen Lösungsansätzen hilfreiche Perspektiven zu eröffnen.

    Beste Grüße

    Claus Peter Küster
    Vors. FBG-Fraktion

    PS und OT: Die Vorgehensweise zu den Abwassergebühren ist in enger Zusammenarbeit mit dem Bund der Steuerzahler erfolgt.

    PPS: Gerne stehen wir jederzeit für persönliche Gespräche zur Verfügung, u.a. auch um den diesbzgl. Schriftverkehr zw. FBG, Steuerzahlerbund und der Stadt Moers darzulegen.

  4. Stephan Furchert schreibt am 5. Oktober 2009 um 10:41

    Sehr geehrter Herr Küster,

    natürlich, das was Sie hier schildern, dass verstehe ich auch und finde das sehr gut, dass Sie, die FBG-Fraktion und somit auch Moers § 40 GO NRW folgen und so den Menschen in den Mittelpunkt stellen, aber ich wollte hier einen Trend aufzeigen, der sich für mich abbildet.

    Ich habe hier beispielsweise ältere Mitmenschen genannt, im weiteren jedoch nur noch von Mitmenschen gesprochen. Es sind nicht nur ältere Menschen, die mit dieser Thematik ein Problem haben. Zu diesen Menschen gehören zum Beispiel mein Eltern, Nachbarn, Freunde und Bekannte, die nicht wissen, beziehungsweise nicht wissen wollen, wie ein Geldautomat funktioniert, weil diese weiterhin sicher ihr Geld am Bankschalter abheben und einzahlen wollen.

    Das hat auch keineswegs etwas mit Diskriminierung zu tun. Eine Diskriminierung aufgrund persönlicher Fähigkeiten gibt es nicht und von Altersdiskriminierung kann hier auch nicht die rede sein, weil ich zwar die älteren Mitmenschen genannt habe, es aber Menschen aus nahezu allen Altersgruppen gibt, bei denen die Schließung von Filialen enorme Probleme mit sich führen.

    Ich habe dies hier angebracht, weil ich das Gefühl hatte, dass im Beitrag von Herrn Ballhaus und in Ihrem Beitrag diese Personengruppen nicht die richtige Würdigung erhalten. Zwar ersetzt ein Geldautomat nicht jede Serviceleistung, so sagt Herr Ballhaus, aber der Bürger wird entlastet. Das Klingt als wären Geldautomaten die ultimative Lösung. Aber es kann nicht genügen der breiten Masse eine Lösung zu bieten und die anderen, vom Tellerrand springen zu lassen.

    Herr Küster, ich finde Ihre Idee gut, wie sie dieses Problem gelöst werden kann. Aber hier kommen für meinen Geschmack die Mitbürger, die ich versucht habe darzustellen, zu kurz. Aber „kommt Zeit, kommt Rat“, und dann kommt auch ein differenziert ausgearbeiteter Lösungsvorschlag der § 40 GO NRW und somit allen Bürgerinnen und Bürgern in Moers gerecht wird.

    mit freundlichen Grüßen

    Stephan Furchert

    P.s.: Zum Thema Abwassergebühren und anderen Angelegenheiten, die meiner Meinung nach nicht richtig laufen, melde ich mich direkt an Sie.

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