Ende mit dem „Moerser Müllmärchen“

„Moers gehört bei den Abfallgebühren zu den teuersten deutschen Großstädten.“ Rumms, das sitzt, schockiert Bürgerinnen und Bürger wie Bürgermeister und schreckt uns alle auf. Spontan habe ich erst einmal meinen eigenen Gebührenbescheid herausgekramt.

Schnell war klar: Irgendetwas stimmt da nicht! Mein Ärger wurde noch größer, als mir unsere Experten der Städtischen Betriebe (sbm) die Rechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW) erklärt haben.
Ergebnis: Sie ist schlichtweg falsch! Im Gegenteil: Moerserinnen und Moerser entsorgen kostenbewusst!

Die Städtischen Betriebe betreiben für uns ein sehr fortschrittliches System. Wiederverwertung ist bereits seit mehr als 10 Jahren das Stichwort. Das ist umweltbewusst, schafft Anreize zur Abfallvermeidung und senkt die Gebühren. Die sbm setzen außerdem seit 1993 auf ein Zählsystem, durch das die Bürgerinnen und Bürger ihre Gebühr weitestgehend selbst steuern können. Die Zahl der jährlichen Leerungen ist um rund 20 Prozent auf knapp 550.000 gesunken. 91 Prozent der Haushalte setzen auf kleine Behälter von 60 oder 80 Litern und lassen sie durchschnittlich nur 13 Mal im Jahr leeren.

Bei der 4-köpfigen Musterfamilie betragen die Abfallgebühren daher nicht – wie die IW-Studie behauptet – 352 Euro, sondern lediglich 176,10 Euro im Jahr:

Variante 1:

60 Liter Restabfall
(12 Mindestleerungen ohne Biotonne und eine Zusatzleerung): 176,10 Euro

Variante 2:

60 Liter Restabfall (10 Leerungen): 140,40 Euro
Biotonne 120 Liter: 31,20 Euro
Gesamt: 171,60 €

Sie können sich ja selbst ausrechnen, wieviele zusätzliche Leerungen man in Anspruch nehmen müsste, bis man auf 352 Euro kommt. Eine zusätzliche Leerung der Restabfalltonne kostet 4,50 Euro. Das geht also kaum!

Auf die 352 Euro laut IW kommen übrigens noch nicht einmal wir. Und zu unserer Familie zählen immerhin 7 Personen.

Dazu können wir alle kostenlose Leistungen in Anspruch nehmen:

  • Sperrgutabfuhr so oft wir wollen,
  • Laub- und Grünschnittsammlung – übrigens seit Ende Oktober wieder unterwegs! – ,
  • der Kreislaufwirtschaftshof am Jostenhof mit vielen gebührenfreien Abgabemöglichkeiten,
  • Reinigung der Biotonne und
  • eine mobile Schadstoffsammelstelle.

Einen großen Teil der Gebühren kann die Stadt Moers übrigens gar nicht ändern. Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, den Abfall beim Entsorgungszentrum Asdonkshof des Kreises Wesel in Kamp-Lintfort zu entsorgen. Rund 70 Prozent der Kosten stehen dadurch fest. Die übrigen 30 Prozent können wir beeinflussen. Und das tun wir im Sinne aller Bürgerinnen und Bürger.

Wir greifen dabei gerne auch Anregungen auf. So hat mir letztens ein Bürger geschrieben, dass wir ja nicht jede Woche zur Leerung der Restabfalltonnen durch die Straßen fahren müssen. Stimmt! Noch ist die letzte Entscheidung zwar nicht gefallen, aber es könnte gut sein, dass sich das ab 1. Januar 2009 ändert. Der Verwaltungsrat der sbm hat sich jedenfalls bereits dafür ausgesprochen.

5 Kommentare

  1. Claus Peter Küster schreibt am 31. Oktober 2008 um 13:58

    Dass ist die eine Seite der Darstellung. Jedoch teilte uns die sbm zu Zeiten des vor der AöR noch existenten Betriebsausschusses mit, dass im Schnitt rund 40% Tonnen weniger als 12 x pro Jahr geleert wurden. D.h.: Diese Haushalte, die Müll vermeiden, finanzieren die anderen mit.

    Wir als 5-köpfige Familie benötigen nur sieben Leerungen einer 60 Liter Tonne. Da wir noch die große braune Tonne haben, müssen wir aber 10 Leerungen bezahlen.

    Dieses System bietet kaum Anreize zur Mülleinsparung. Vielmehr müsste der Abnahmezwang (10x mit bzw. 12 x ohne Biotonne) abgeschafft werden.

    Stattdessen wird eine geringere Grundgebühr erhoben, die keine Leerungen beinhaltet. Dafür werden dann die Preise für die einzelnen Leerungen erhöht.

    Auch bewährte Wiegesysteme, die also in etwa nach dem Verursacherprinzip arbeiten, sind in Erwägung zu ziehen.

    Dazu kommt der Unsinn mit den 3,- für den Grünschnitt. Diese Gebühr ist und bleibt unverständlich.

    Weiterhin sind alle Einnahmen die sich aus der Verwertung der Wertstoffe ergeben zur Gebührenreduzierung zu verwenden.
    Und die Verhandlungen mit dem Kreis respektive mit den Entsorgern sind genauso konsequent zu führen.

    In der Nachbargemeinde wurden sogar Prämien an die Gebührenzahler entrichtet um einen bestimmten Entsorger zu bevorzugen. Da ist also doch finanzieller Spielraum.

    Auch aus diesem Grunde haben wir bereits 2004 vorgeschlagen eine Arbeitsgruppe einzurichten, die nun die Bürgerschaft mit einbeziehen soll.
    Quelle: http://www.fbg-moers.de/vkp/modules.php?name=News&file=article&sid=247

    Dann klappt es vielleicht auch mit dem Verständnis für die Systematik der Gebührenordnung und vielleicht auch mit einer möglichen Gebührensenkung.

    Gruß

    Claus Peter Küster
    FBG Frak.vors.

  2. Steffi schreibt am 31. Oktober 2008 um 15:57

    Lieber Herr Bürgermeister,

    als ich die Zahl des Instituts in der Zeitung gelesen habe, habe ich erst gedacht, die Servicebetriebe hätten sich bei uns zu unserem Vorteil verrechnet. Danke, dass Sie das allgemein aufgeklärt haben.
    Ich kann mich bei der Grünschnittgebühr Herrn Küster anschließen. Das verstehen wir Bürger nicht. Wer einen großen Garten hat, wird noch animiert, illegal zu entsorgen. Früher war das doch kostenlos.

  3. Mattus Wolfgang schreibt am 4. November 2008 um 13:18

    Sehr geehrter Herr Ballhaus,
    über die Anzahl der gebührenpflichtigen Leerungen von Abfallbehältern, über die Gebühr für Grünschnitt und auch über das derzeitige Verrechnungssystem der Papiersammlung wäre es auch aus meiner SDicht wünschenswert einmal eine Arbeitsgruppe einzurichten, die den Dingen einmal richtig auf den Grund geht.
    Was mir persönlich am Gebührensystem überhaupt nicht schmeckt, ist die Tatsache, dass Sperrmüll in unbegrenzter Menge an den Straßenrand gestellt werden kann ohne das auch nur ein Euro für die Entsorgung gezahlt werden muss. Ist alles schon in den übrigen Gebühren mit drin.
    Da muss ich mich dann nicht wurdern, wenn oftmals die komplette Haushaltsauflösung über die Allgemeinheit erfolgt. Da steht dann Sperrmüll in der Größenordnung von zwei LKW-Ladungen vor manchem Gebäude. Das kann es doch nun auch nicht sein.
    Ich weiß, jetzt kommt wieder der Einwand von wegen Entsorgung in der Natur. Ich glaube aber nicht, das jemand derartige Mengen Stück für Stück ins nächste Wäldchen bringt. Hier wäre über ein anderes, gebührenpflichtiges System, einmal nachzudenken. Am besten in der gleichen Arbeitsgruppe wie zuvor erwähnt.
    Herzliche Grüße, Wolfgang Mattus,
    Freie Bürger-Gemeinschaft

  4. Peter schreibt am 5. November 2008 um 20:55

    @Wolfgang Mattus
    Dann soll die Rechnung für die Sperrmüllentsorgung bitte erst geschrieben werden, wenn die Jungs von der Müllabfuhr vor Ort sind und den Kram ins Fahrzeug schmeißen.
    Denn zwischen den gemeldeten Gegenständen und dem, was am Abfuhrtag noch am Straßenrand steht, besteht oft ein riesiger Unterschied.
    Oder die Stadt leitet die zuviel vereinnahmten Gebühren an die Sperrmülljäger weiter 😉

  5. Malerie schreibt am 20. April 2011 um 07:30

    AKAIK you’ve got the aswner in one!

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